Workshopreihe Interview: Personen – Orte – Fragen

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Die Reihe besteht aus drei Einheiten von 2,5 bis 3 h Dauer. Sie wurde als Angebot für die Linke Medienakademie in Berlin von Udo Israel konzipiert und gemeinsam mit Stefan Tenner durchgeführt. Die drei Einheiten fanden an einem Freitagabend und einem Samstag statt.

Die Workshops waren jeweils einzeln besuchbar, es sollte allerdings für Interessierte auch die Möglichkeit bestehen, alle drei Angebote zu besuchen. So wurde das Thema in jedem Workshop mit einem engeren Fokus versehen:

1. Gesprächsführung / Fragearten – 2. Was macht die Umgebung / das Setting aus? – 3. Wen frage ich was? / Rollenverteilung


Die drei Angebote sind auch als Reihe über einen längeren Zeitraum denkbar, evtl. können einzelne Teile modifiziert werden. Es ist allerdings vermutlich nicht verkehrt, auch Wiederholungen beizubehalten. – Die Reihenfolge der Schwerpunkte sollte bei einem Angebot als Kurs über einen längeren Zeitraum vermutlich verändert werden: es scheint sinnvoll zunächst Fragearten zu thematisieren, danach auf die Personenwahl / Rollenverteilung einzugehen und erst dann den Aspekt Umgebung / Ortswahl genauer zu betrachten.


Inhaltsverzeichnis

Schwerpunkt 1: Fragen / Gesprächsführung

evtl. kurze Definition "Was ist ein Interview?" - Zurufsammlung an Flipchart >>> ca. 10 min

Interviews analysieren: Interviews in gedruckter Form verteilen (z.B. Interviewzeitschrift GALORE; siehe Literaturhinweise zum Interview) und die Teilnehmenden bitten alle gestellten Fragen in selbst zu benennende Kategorien einzuordnen >>> Arbeitszeit: 15 min

Variante: Radiointerviews aus freie-radios.net verwenden (andere Hörbeispiele) / Einzelarbeitsplätze zum Hören bzw. Kopfhörer nötig

gemeinsame Auswertung der Einzelarbeit: Sammlung der Kategorien auf Flipchart / Zus.fassung d. Definitionen von Journalistik-Typisierung (Fragearten: geschlossene W-Fragen / offene Fragen / Suggestivfragen / Balkonfragen … Übersicht z.B. in Notizen zum Interview S.20 ff. – lässt sich auch als Handout verwenden ) / jeweils klären welche Vor- und Nachteile >>> Dauer: 30 min


Fragekatalog erstellen / Gesprächsablauf planen: Design eines Kurzinterviews (5…7 Fragen) zu einem selbst gewählten Thema (mit fiktiver Person) >>> ca. 15 min – 20 min


Interviews durchführen (sinnvoll ist es, gleich mit Aufnahmetechnik zu agieren): darauf fokussieren, dass es um ein Reagieren geht; Plan ist im Moment des Interviews nicht mehr relevant (vorher Aufforderung, die "wichtigste" Frage farbig auf dem Plan zu markieren); kurzes Feedback aus der Gruppe: Was ist mir aufgefallen? Was war spannend? Was hätte ich anders gemacht? >>> 30-40 min


ca. halbe Stunde Zeit: evtl. Umgang mit Stichpunktzettel / Moderationskärtchen – "was mache ich, wenn … ?" worst case / best practice-Modelle – allgemeine Fragen – (eventuell auch noch Einführung des Kommunikationsmodell nach Geißner; Fokus mit Fragetechnik auf "Wie")


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Schwerpunkt 2: Was macht die Umgebung / das Setting aus?

kurze Wissensabfrage / Definition "Interview" z.B. mit Aktivität Scrabble oder Thema buchstabieren >> 15 min


Kommunikationsmodell nach Geißner vorstellen; fokussieren auf Ort / Wo? >> 15 min


Orte wechseln:

Aufgabe: Dreiergruppen gehen raus und machen jeweils drei Interviews an verschiedenen Orten / in verschiedenen Situationen. Zu verändern sind folgende Parameter:

1. Ort / Umgebung (drinnen, draußen, Straße, Studio, Büro, unterm Tisch, im Supermarkt …)

2. Situation / Tätigkeit (sitzend, stehend, laufend, essend, im Bus fahrend …)

3. Aufnahmetechnik (Mikrofon fest installiert, Mikro versteckt, immer ganz nah am Mund der sprechenden Person, gehalten von einer dritten Person …)

>> ca 1 h


Anhören und auswerten: was übt welchen Einfluss aus? – Link bauen zu: Hören in verschiedenen Situationen spielt ebenfalls eine Rolle >> ca 1 h


vgl auch A&F Handreichungen, Aktivität "There's A Place For Us", S. 363


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Schwerpunkt 3: Wen frage ich was? / Rollenverteilung

Theorie-Input: Warum ein Interview führen / senden? 15 min

evtl. Kommunikationsmodell nach Geißner einführen und auf "Mit wem?" fokussieren? >> 15 min (könnte man auch weglassen oder nur ganz kurz erwähnen, wenn die Mehrheit schon andere Teile mitgemacht hat)


Aktivität Wen will ich sprechen? ca. 45 min >>> Auswertung mit Fokus auf Rollenklischees


danach möglich Interviewübung Gender-Crossing (A&F Handreichungen), S. 435 f. (wenn Gruppe halbwegs 50/50 mit Frauen/Männern besetzt wird … sonst Variante: jedeR antwortet als VertreterIn des anderen Geschlechts … oder was dazwischen?), Auswertung: wie wars? Irritationen? oder alles ok? >>> ca. 45 min


gern noch was mit Sprachen / Mehrsprachigkeit


oder: Fotos verteilen und versuchen Fragen zu formulieren, die dem Äußeren komplett nicht entsprechen (Mann im Maßanzug fragen wie er mit Hartz IV-Satz über die Runden kommt; Frau mit Kopftuch und Kind auf dem Arm fragen warum in ihrem Unternehmen jetzt Entlassungen anstehen; ... ) >>> Reflektion: was sind für uns äußere Merkmale, die Assoziationen und Rollenzuschreibungen auslösen? Geht das: ohne Vorurteile agieren? Wie gehen wir damit um? – Und kann ich einen Banker nicht trotzdem fragen wie er sein Leben mit lediglich 450 EUR im Monat meistern würde?


auch möglich: Medienanalyse – Interview aus bfr-Netz anhören und diskutieren: was war an der Wahl der Person erwartbar? Welche Fragen passten nicht in unsere Erwartungshaltung (mit Fokus auf Rolle)? wo wurde die Rolle "gebrochen" (ist das überhaupt passiert)? ... und was von all dem war für uns besonders interessant / lustvoll / langweilig / spannend?


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Hinweise / Bemerkungen zu den Abläufen

> Schwerpunkt 1: Fragearten

Den Teilnehmenden fiel es bei der Praxisübung schwer, sich auf die Fragearten zu konzentrieren. Es kamen sehr viele Anmerkungen zum Ziel des jeweiligen Interviews, was noch hätte sein können und Beispiele, wie auch schon Interviews verlaufen sind.


> Schwerpunkt 2: Umgebung

Spannend und lustig war, dass die Teilnehmerinnen die Aufforderung sehr sehr ernst nahmen und wirklich an den unmöglichsten Orten und in den kuriosesten Situationen Interviews aufnahmen: im Treppenhaus auf- und ab-laufend mit dem Mikro in der Jackentasche und dabei ein Interview über feministische Gartenarbeit … das war erstens sehr lustig, zum anderen stellte sich der verblüffende Paralleleffekt ein, dass es im Interview plötzlich um körperliche Arbeit ging, während die Gesprächspartnerinnen durch das Treppenlaufen ganz außer Atem gerieten. Eine Gestaltungsmöglichkeit, die ohne Spielerei nicht gefunden würde. – Nicht vergessen sollte werden, nach der Übung darauf hinzuweisen: es geht nicht darum künftig besonders absurde Interviewsituationen zu erzeugen, zu empfehlen ist ein Nachdenken darüber, was ich mit den jeweiligen Interviews erreichen möchte: warum nicht für ein persönlich gefärbtes Gespräch einen Spaziergang im Park vorschlagen?


> Schwerpunkt 3: Rollenverteilung

nach der Aktivität Wen will ich sprechen sind wir in eine intensive Diskussion gerutscht über Genderfragen und "multikulturelle Sendungsgestaltung". Die Argumente in dieser Diskussion waren teilweise recht extrem. Von "Ich frage Personen wegen ihrer Befähigung nicht wegen ihres Geschlechts." über "Frauen sind in unserer Gesellschaft doch gleichberechtigt." bis hin zu "Afrikaner sind viel geduldiger." war so ziemlich alles dabei. In dieser Situation war es nicht immer einfach passende Gegenargumente zu finden bzw. die Diskussion so zu führen, dass es nicht in ein Gut-Böse-Schema rutscht und die Diskutierenden weiter im Gespräch blieben. (udo im März 10)

die Medienanalysa war nicht ganz einfach. Viele gaben sich mit den gehörten Beispielen schnell zufrieden, fanden sie interessant. Es bedurfte sehr genauer Nachfragen, wo die agierenden Personen evtl. meinungsvorgebend waren oder mit Unterstellungen arbeiteten, was wirklich offene Fragen oder Interviews waren und wo die Antowrten schon im Vorfeld klar waren. Für NeueinsteigerInnen ist die kritische Auseinandersetzung mit vorhandenen Inhalten offensichtlich nicht ganz einfach. (udo im März 10)

Literatur

klipp & klang radiokurse Notizen zum Interview

Interaudio. Materialien für die interkulturelle Radioausbildung

siehe auch Komplettübersicht zum Thema Interview (Literatur mit Kommentaren)