Interview

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Zu den Basiseinheiten in jedem Radio gehört eine Einweisung zum Interview. Mit dem Interview gelangen wir an O-Töne und akustisches Material. Es herrschen selbst im Bereich der Freien Radios allerdings unterschiedliche Ansichten, was ein Interview ist, wie es geführt werden sollte und wie weiter verarbeitet. In einer offenen Grundausbildung sollte diese Diversität widergegeben werden und diskutiert werden.


Inhaltsverzeichnis

Einzelaktivitäten

Mit den folgenden Aktivitäten lassen sich verschiedene Aspekte von Interviewführung und Interviewverwendung thematisieren. Die Aktivitäten sind jeweils auch in Workshops mit anderem Fokus einsetzbar. So lassend sich Brücken zu tiefer gehenden Angeboten schlagen. Für auf Interview fokussierte Angebote bitte den nächsten Abschnitt anschauen.

PartnerInnen-Interview >> als Einstieg in beliebigen Workshops einsetzbar

Wen will ich sprechen? >> als Einheit in theoretischen Seminaren oder in Veranstaltungen zum Grundverständnis Freier Medien einsetzbar

Orte wechseln >> innerhalb von Workshops zur akustischen Gestaltung oder auch Sprech- oder Aufnahmetechnik anwendbar

Interview schneiden >> Akustisches Gestalten, Recherche, digitaler Audioschnitt

Ablaufvorschläge für Interviewworkshops

Die folgenden Abläufe sind Beispiele wie sie in einzelnen Radios funktionieren bzw. Vorschläge, wie ein Interviewworkshop bzw. eine vertiefende Workshopreihe zum Thema verlaufen könnte.

ORANGE 94.0 Wien

Basismodul Interview / Aufnahmetechnik

Im sogenannten Radio Start Paket gibt es als erste Praxiseinheit einen dreistündigen Workshop zum Thema Interview und Aufnahmetechnik. Bewusst werden technische Aspekte, wie der Umgang mit den mobilen Aufnahmeeinheiten und inhaltliche (z.B. wie wähle ich InterviewpartnerInnen aus?) miteinander gekoppelt. Aspekte des Interviews werden auch in den Einheiten Sendestudio, Medienrecht und Redaktion wiederholt bzw. vertieft.

Zu behandelnde Inhalte: Definition, Rollenverteilung, Aufnahmetechnik, Themenvorbereitung (Fragekatalog), Publikum

Ablauf (Vorschlag)

für 8-9 Teilnehmer_innen

kurze Begrüßung

Aufnahmetechnik: Gruppe in 2er oder 3er Gruppen teilen lassen, Aufnahmeeinheiten verteilen, Aufgabe: bereitet das Gerät für eine Interviewaufnahme vor, macht einen kurzen Aufnahmetest, max. 10 min Zeit für eigenes Ausprobieren geben (Hilfestellung wenn nötig), danach ganz kurze Runde: wo gab es Probleme?

Dauer: nicht mehr als 15 min


Interviewübung 1: Aufgabe: Stellt euch in einem Interview gegenseitig vor. (Zeitvorgabe: nicht mehr als 3 min / Interview soll dabei von den fragenden aufgenommen werden) / nach jedem bzw. jeweils nach zwei Interviews drei bis vier Stichworte an Flipchart sammeln: "Was haben wir gesehen/erlebt? / Was ist ein Interview? Was ist wichtig bei einem Interview?" (vgl. Aktivität PartnerInnen-Interview)

am Ende Reflektion/Zusammenfassung: Sortieren der Flipchartergebnisse / Zusammenfassung / Definition "Was ist ein Intervie" / Aspekte benennen: Warum ein Interview? Wen wählen wir aus für ein Interview? .... / Handout "Interview I" verteilen

Dauer: 30 - 40 min


Feedback-Übung Anhören der Interviews (oder einzelner) mit der Fragestellung: Was war interessant? Was hätte ich mir außerdem gewünscht? / Vorher evtl. Feedback-Regeln erläutern (Handout?)

Dauer: ca. 30 min


Reflektionsrunde Interviewvorbereitung: Wie haben wir uns auf gehörte Interviews vorbereitet / was wollten wir rauskriegen / gab es einThema? (Exkurs Themenentwicklung / Brainstorming / Recherche möglich )

Dauer: 10-15 min


Aktivität Wen will ich sprechen? > Auswertung: Rollenverteilung (Opfer, Entscheidende, Expertin), gesellsch. Rollen / auch: Diskussion über Ich-Position / Subjektivität; persönliche Geschichten/Erfahrungen (mögl. Exkurs: Interview zur Person / zur Sache / zur Meinung)

Dauer: ca 30 min


Fragekatalog kurzes Betrachten der Notizen / Exkurs Fragekatalog (keine ausformulierten Fragen, oder doch? / freies Reagieren während des Interviews) wichtig: Ein Interview dient nicht der Bestätigung von Vorurteilen!

evtl. Handout - Rückseite Interviewablauf

Dauer: 10 min


Interviewübung 2 in Paaren (Wiederholung Aufnahmetechnik)

entweder mit Fokus "Was kommt beim Gegenüber an? / Vermittlung" >> interviewübung besteht dann vor allem darin, die vorher gehörten Aussagen kurz zusammenzufassen bevor weitergehende Frage gestellt wird (geht auch in der Art einer Wegbeschreibung: wie bist du hierher gekommen/was ist passiert >> jeweils folgende Person fasst danach zusammen) wo gab es "Zusammenfassungen" welcher Art? Wurde wirklich das Wesentliche erfasst?

oder Fokus Fragetechnik >> dann verteilen des Handouts "Fragearten"

Dauer: 30 min


evtl. Hausaufgabe ein Interview führen zu einem beliebigen Thema max. 7 min Dauer



Hinweise zum Ablauf / Erfahrungen

sammeln der Aspekte zum Interview gerät schnell zu "Was habt ihr falsch gemacht" >> genau aufpassen, darum geht es nicht / alle machen Fehler, denn es ist meist das erste Intewrview / Fokus sollte eher darauf liegen: Worauf ich alles achten muss, wenn ich ein Interview führe.

meist gibt es in den Reflektionseinheiten enormen Diskussionsbedarf >> dann reicht mitunter die Zeit nicht für die Übung 2 (Udo)

Vertiefender Kurs Interview

In Zusammenarbeit mit dem polycollege entwickelte ORANGE 94.0 einen vertiefenden Kurs zum Thema Interview. Ursprünglich waren für diesen Kurs drei Abende à 3 Stunden vorgesehen. Im ersten Durchlauf wurde der Kurs dann jedoch auf zwei Einheiten gekürzt. Leiterin des Kurses war Margit Wolfsberger.


Vertiefende Reihe: Personen – Orte – Fragen

Die Reihe besteht aus drei Einheiten von 2,5 bis 3 h Dauer. Sie wurde als Angebot für die Linke Medienakademie in Berlin von Udo Israel konzipiert und gemeinsam mit Stefan Tenner durchgeführt. Die drei Einheiten fanden an einem Freitagabend und einem Samstag statt. Die Workshops waren jeweils einzeln besuchbar, es sollte allerdings für Interessierte auch die Möglichkeit bestehen, alle drei Angebote zu besuchen. So wurde das Thema in jedem Workshop mit einem engeren Fokus versehen:

1. Gesprächsführung / Fragearten

2. Was macht die Umgebung / das Setting aus?

3. Wen frage ich was? / Rollenverteilung

Innerhalb der einzelnen Workshops gibt es jeweils kurze Abschnitte, die gleich sind (z.B. Definition Interview, Kommunikationsmodell nach Geißner). Die drei Angebote sind auch als Reihe über einen längeren Zeitraum denkbar, evtl. können einzelne Teile modifiziert werden. Es ist allerdings vermutlich nicht verkehrt, auch Wiederholungen beizubehalten.


>> der konkrete Ablauf

>> Link zur Linken Medienakademie LiMa

Arbeitsmaterial

Hörbeispiele sind auf der entsprechenden Seite abgelegt. (zum Teil auch kommentiert)


Weiterführende Literatur

Theorie

Antje Schwarzmeier und Ulrike Werner Interaudio. Materialien für die interkulturelle Radioausbildung LPR Hessen 2007 >>Abschnitt Interview (28 Seiten): sehr brauchbare Zusammenfassung: der Weg zum Interview / Recherche / Kontaktaufnahme / Technik / Verhalten während des Interviews / Fragetechniken / Live-Interviews / mehrere Gäste / Umfragen

klipp & klang radiokurse Notizen zum Interview Zürich 2001 (auch in späterer Auflage erhältlich) >> Definition / Formen / Vorbereitung / Personen / Vorgespräch / Fragen / Verlauf / Technische Tipps / Nachbearbeitung

Heinz Günter Clobes, Hans Paukens, Karl Wachtel (Hg) Bürgerradio und Lokalfunk. Ein Handbuch Ölschläger 1992; S. 212-134 >> Interviewvorbereitung, Fragearten, Interviewverlauf: kurze Darstellung der Aspekte aus Sicht des Berufsjournalismus

Walther von La Roche, Axel Buchholz (Hg) Radio-Journalismus. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis im Hörfunk List München 1993 (gibt es auch in neueren, überarbeiteten Auflagen); S.113-129 >> Recherche und Interview / Interview-Check – praktische Ratschläge zum Interview, orientiert am Berufsjournalismus

Elisabeth Noelle-Neumann, Winfried Schulz, Jürgen Wilke (Hg) Fischer Lexikon Publizistik Massenkommunikation Fischer Taschenbuch Frankfurt am Main 1989 (gibt es auch in neueren Auflagen); S.76/77 >> Definition Interview mit Nennung von spezifischen Unterformen

nr-Werkstatt Nr.13: Interview-Kulturen: Professionelle Interviews als journalistische Qualitätstreiber netzwerk recherche Wiesbaden 2009 >> Auf den ersten Blick etwas abstoßend, weil mit Begriffen wie Professionalität und Planbarkeit hantiert wird und von Maybrit Illner über André Boße bis hin zu Jörg Thadeusz eine Reihe von "Promis" zu Wort kommen. Bei genauem Studium der Ratschläge und Tipps aber erstaunlich ergiebig und spannend.

Bernd-Peter Arnold ABC des Hörfunks UVK Medien Konstanz 1999; S. 190-226 >> Sehr ausführlich und strikt anleitend

Beispiele

GALORE Interviews – das Beste aus 5 Jahren Dialog Dortmund 2008 >> 43 ausgewählte Interviews/Gespräche aus dem Versuch ein Magazin mit längeren Personeninterviews zu gestalten. Sehr ergiebig für die Analyse von Interviews.

Lutz Bertram Huhu, liebes Radiovolk!. Audienz beim Frühstücksdirektor Ch. Links Berlin 1994 >> Gesammelte Interviews des Kult-Moderators aus der DDR (und später FRITZ). Mitunter sehr politisch und ohne Hintergrundwissen zur Zeit nicht vollständig zu verstehen.

Jürgen Domian extreme leben. protokolle & kommentare vgs Köln 1996 (weitere Auflagen erschienen) >> Gesammelte Interviews/Talks von einem der wichtigsten Night-Talker der 90er. Interessant ist die Diskrepanz: während Domian in seinen Sendungen als sehr einfühlender und nicht sensationsheischender Talker erscheint, bezeugen die schriftlichen Protokolle eine ziemlich massive Beeinflussung und auch Tendenzhaftigkeit. Zudem sind die Themen sehr Boulevard. Hier wäre ein Vergleich mit Video-Aufnahmen vielleicht auch sehr spannend.



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