Copy.Right.Now!

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Copy.Right.Now! Plädoyers für ein zukunftstaugliches Urheberrecht ist ein Reader mit insgesamt 18 Artikeln zum Thema. Unter den Autor_innen befinden sich solche "Spezialist_innen" wie Lawrence Lessig, Tim Renner, Christian von Borries, Cory Doctorow und Jens Seipenbusch. Es werden verschiedenste Aspekte des bestehenden Urheberrechts hinterfragt und auch mutige Lösungsansätze vorgeschlagen. Insgesamt sehr anregend und ein guter Einstieg in die aktuelle Diskussion.

Hervorhebenswert: das Heft ist unter einer creative commons-Lizenz erschienen und wird kostenlos von der Heinrich Böll Stiftung abgegeben.


Seite der Stiftung zum kostenlosen Download des Readers.

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassungen der Kapitel

Vom Verlust. Eine Einleitung

von Jan Engelmann und Matthias Spielkamp

Besonders der erste Abschnitt Lost in La Mancha (S.10 f.) gibt einen kurzweiligen Einblick in das erwachende Verständnis von Autorenschaft und damit einhergehenden finanziellen bzw. symbolischen Ansprüchen. Objekt der Erörterung ist Cervantes' "Don Quijote" von 1605. Mit diesem Beispiel lässt sich thematisieren, dass unser heute geltendes Urheberrecht historisch gewachsen ist, genau deshalb aber auch befragbar und veränderbar. – Kurz erwähnt wird auch, dass unser heutiger Begriff von Autor_in und Urheber_in wesentlich geprägt wurde von Goethe & Co., die zu Zeiten der Klassik die Vorstellung vom genialen und einzigartigen Künstler propagierten. Eine durchaus bürgerliche Vorstellung, die spätestens mit der klassischen Avantgarde-Bewegung Anfang des 20. Jhds. bereits kritisiert und in Frage gestellt wurde.


weiterführende Diskussion

Weitere historische Beispiele über eine andere Kopier- und Zitatkultur finden sich zahlreich. Beispielsweise entwickelte sich im 17. Jhd. die Kunstform des sogenannten Sammlungs- oder Galeriebildes, auf welchen Kunstsammlungen, Galerien bzw. bedeutende Werke in einem neuen Gemälde abgebildet wurden. Zu den Meistern dieser Gattung gehören Willem van Haecht (Die Galerie des Cornelis van der Geest) und David Teniers d.J. (Erzherzog Leopold Wilhelm in seiner Galerie in Brüssel). Auffallend: die "zitierten" bzw. kopierten Gemälde sind zum Teil mit höchster Präzision nachgestaltet, sie dienen eindeutig der Machtdemonstration (siehe auch diese Dissertationsschrift) … von heute aus kann dieses Vorgehen vermutlich als Sampling, wenn nicht sogar als kommerzielle Verwendung (siehe google-books) eingeordnet werden. (Weitere visuelle Beispiele).

Auch der Maler Peter Birmann kopierte in der zweiten Hälfte des 18./ Anfang 19. Jhds. zahlreiche Gemälde in seinem zeitgemäßeren Stil (häufig identisch bis in kleinste Details) – mit heutiger Sprache würden wir das wohl einen Remix nennen. (weiterführende Literatur: "Peter und Samuel Birmann, Künstler, Sammler, Händler, Stifter" Katalog zur Ausstellung im Kunstmuseum Basel 1998, Öffentliche Kunstsammlung Basel 1998

Wider die Verschwendung

Jeanette Hofmann

Der komplette Titel des Artikels lautet: Wider die Verschwendung. Für neue Denkfiguren in der Wissensregulierung.

Die Autorin beschreibt zunächst die Schwierigkeiten moralisch wertfrei und unemotional über Alternativen zur aktuellen Definition des Urheberrechts nachzudenken. Als Möglichkeit zitiert sie wirtschaftswissenschaftliche Argumente, welche eine Beschränkung des Zugriffs auf wohlfahrtswirtschaftliche Güter (Wissen) mit Verschwendung gleichsetzen.

Der zweite Abschnitt widmet sich der Unterscheidung "Öffentliche Güter" & "Privates Gut/Eigentum", welche später auf das Gut Information angewandt wird. Als Fazit steht die Erkenntnis, dass das Urheberrecht die Verschwendung von (Wissens-)Ressourcen verursacht.

Aus Liebe zur Kultur

Lawrence Lessig

Der komplette Titel des Artikels lautet: Aus Liebe zur Kultur – Google, das Urheberrecht und unsere Zukunft (S. 23-36)

Der Artikel startet mit einer schönen Geschichte über Grace Guggenheim, welche die Beschränkungen durch das derzeit geltende Urheberrecht anschaulich verdeutlicht. Das zweite Beispiel erläutert die Interessen- und Rechtelage während der Verhandlungen zum Google Book Settlement. In Auseinandersetzung mit dieser Einigung zeigt der Autor (unerwartete) Schwächen des Vertragswerkes auf (Einschränkung des öffentlichen Zugangs). Im Abschnit Neue Spielregeln entwickelt Lessig Thesen, wie das Urheberrecht zu reformieren wäre, um eine praktische und kulturell bereichernde Handhabungsweise zu garantieren.


Der englische Original-Artikel "For The Love Of Culture" wurde in The New Republican veröffentlicht.


Autoren aller Länder, plagiiert euch!

von Jonathan Lethem (S.37 - 44)


Ein etwas älteres (aus dem Jahr 2001) und teilweise polemisches Plädoyer, die Kulturtechnik des Zitierens und Kopierens als selbstverständlich anzuerkennen. Verbunden mit der Forderung: Alles hergeben! (Im Text allerdings recht schlau unterscheidend zwischen dem konkreten Ausdruck, der Form und der Idee, dem Inhalt.)


Den gordischen Knoten durchschlagen

von Till Kreutzer (S.45 – 55)

Der komplete Titel des Artikels lautet: Den gordischen Knoten durchschlagen – Ideen für ein neues Urheberrechtskonzept


Der Autor versucht eine grundlegende Befragung der Theorie des geistigen Eigentums. Dazu stellt er zunächst einmal Fragen zum Verhältnis von Gesetzeslage und tatsächlicher Praxis, fokussiert dabei zum Beispiel auf die Unterschiedlichkeit und Vielfalt von geschaffenen Werken im Sinne des Urheberrechts. Im weiteren Textverlauf wird noch einmal das Gedankengebäude erläutert, welches der Theorie des geistigen Eigentums zugrunde liegt. Als ein Mangel dieser Konstruktion aus dem 18. Jhd. benennt Kreutzer das Fehlen eines "Nutzerrechts". Darauf basierend betont der Autor: "Schöpfung ohne Nutzung ist unmöglich." Grundlegend ist der folgenden Argumentation, dass ein modernes Urheberrecht Kreativität fördern sollte statt einseitig Eigentumsrechte zu deklarieren.


Der komplette Artikel ist ebenfalls veröffentlicht auf carta.info.


Das Urheberrecht in der Legitimationskrise

von Gerd Hansen

Der komplette Titel des Artikels lautet: Das Urheberrecht in der Legitimationskrise – Ansätze für eine rechtstheoretische Neuorientierung (S.56 – 61)


Gerd Hansen untersucht zunächst die Gründe für den Akzeptanzverlust des Urheberrechts. Gleichzeitig distanziert er sich deutlich von der "Freibiermentalität" und verteidigt die Interessen und Schutzbedürfnisse der Kulturindustrie (in diesem Reader eher eine Außenposition). Als Möglichkeit schlägt er eine bessere Begründung der Interessen, das Schaffen von neuem Vertrauen in die Rechtslage vor. Konkret führt er den Terminus einer "offenen Kultur" ein, in der Inhalte erlaubnisfrei aber nicht kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Es folgen einzelne (vor allem rechtstheoretische) konkrete Vorschläge, wie dieses Konstrukt zu verwirklichen wäre.

mit weiteren Literaturhinweisen


Der Artikel ist ebenfalls veröffentlicht bei carta.info.


Kommentare / Diskussion

Udo Israel: Gerd Hansen vertritt in diesem Reader eindeutig eine konservative und konsumorientierte Haltung. Er befragt in keinem Punkt die Vermarktung von kulturellen Leistungen, nimmt sie vielmehr als Grundvoraussetzung an. Für die politische Diskussion und die Verhandlungen mit der Medien- und Presselobby (meint hier weniger die Autor_innen und Urheber_innen sondern eher Verlage, Medienkonzerne, Vertriebe) mag diese Haltung zielführender, weil kompromissbereiter sein. Radikalere Ansichten suchen dagegen bewusst nach anderen Finanzierungsmodellen, welche die grundsätzlich bessere Entlohnung kreativ Schaffender fördern und nicht an kommerzielle Vermarktung bzw. Gewinnbeteiligung orientiert sind. Eine durchaus verfolgenswerte und in Seminaren auch einzubringende Diskussion.


Nenn man das Enteignung?

von Ilja Braun

Der komplette Titel des Artikels lautet: Nenn man das Enteignung? Die Debatte zum Leistungsschutzrecht für Presseverlage (S.62 – 67)

Beitrag zur gerade (Frühjahr 2010) sehr aktuellen Debatte und dem anstehenden Gesetzentwurf. Ilja Braun nimmt hier sehr bewusst die Perspektive des (freien) Journalisten/Autors ein und beleuchtet auf diese Weise sehr kritisch die Forderung der Verlage.


t.b.c.


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